FRÜHLINGS WEITERBILDUNGSKURS 25.03.2023
Am 25. März fand im Gasthof Repnik in Kamnik der traditionelle Frühjahrs Weiterbildungskurs statt, das vom slowenischen Lipizzanerzuchtverband organisiert wurde. In angenehmer Gesellschaft dürften wir Neues über die Reproduktion, die neuen Vorschriften zum Tierschutz und die Pferdeernährung erhalten.
Nach der Begrüßung durch den Verbandsvorstand Aleksandar Ozmec und unserem Zuchtleiter Dr. vet.med Klemen Turk, hat sich für die erste Vorlesung Tierärztin Dr.vet.med Špela Petročnik vorgestellt, die über die Fortpflanzung von Stuten referierte. Derzeit bereitet sie ihre Promotion an der Klinik für Reproduktion von Großtieren vor, wo sie als Nachwuchswissenschaftlerin tätig ist. Viel Wissen hat Sie sich im Ausland angeeignet. Sie stellte den Ablauf der Zyklusphasen der Stuten vor, von Östrus bis Diöstrus, sowie den zeitlichen Ablauf und alle notwendigen Aufgaben für eine erfolgreiche Reproduktion vor.
Anschließend stellte sie Praxisbeispiele der Reproduktion vom Gestüt Lipica vor, die durch künstliche Befruchtung mit Frischsamen erfolgt. Der Eisprung wird per Ultraschall überwacht. Der Samen wird auf der künstlichen Vagina gesammelt, dann untersucht und nach der Auswertung des Samens wird die Stute beim optimalen Zeitpunkt besamt. Wenn die Stute am folgenden Tag keine Ovulation zeigt, wird der Vorgang wiederholt. Im Gestüt ist keine Fohlenrosse erlaubt (der erste Eisprung nach dem Fohlen, zwischen 5 und 12 Tagen nach der Geburt). Einige Stuten müssen auch nach der Aufnahme mit Ultraschall überwacht werden, da es zu einer Gebärmutterentzündung kommen kann.
Nach der Besamung ist es sehr wichtig, den Stuten genügend Auslauf zu bieten. Trächtigkeitsuntersuchungen werden mit Ultraschall durchgeführt, eine Untersuchung ist bereits nach 14 Tagen möglich. Die Trächtigkeit dauert zwischen 320 und 345 Tagen. Die Stuteneuter beginnen sich 2-6 Wochen vor dem Abfohlen zu füllen. Bei den meisten Stuten verläuft die Geburt schnell und ohne Komplikationen.
Wir kennen die 1-2-3-Methode beim Fohlen. In der ersten Stunde muss er stehen, in der zweiten Stunde muss er saugen und in der dritten Stunde muss er sein Mekonium (also den ersten Stuhlgang) ausscheiden. Der Saugreflex des Fohlens setzt fünf bis zwanzig Minuten nach der Geburt ein. Tritt dies nicht ein, muss ein Tierarzt oder Spezialist hinzugezogen werden. Kolostrum wird in den ersten 6 Stunden am stärksten absorbiert und erreicht seinen Höhepunkt innerhalb von 24 Stunden. Während dieser Zeit nimmt das Fohlen die notwendigen Antikörper und Nährstoffe auf. Wir haben einige Zeit darüber gesprochen, wie wichtig es ist, den Nabel eines neugeborenen Fohlens zu desinfizieren. Das Fohlen muss lebhaft, kräftig und saugfreudig sein.
Im zweiten Teil der Vorlesung erläutert Tierärztin Dr.vet.med Petra Kramarič die Richtlinien des Tierschutzes: die neue Verordnung zum Schutz von Nutztieren (Kapitel für Equiden) die aus den Leitlinien der fünf Freiheitsregeln von Tieren hervorgegangen ist.
- Kein Hunger- und Durst (die Tiere so nah wie möglich an deren natürlichen Bedürfnisse heranführen und uneingeschränkten Zugang zu Wasser und Futter ermöglichen)
- Kein Leid (in diesem Teil wird die Auslaufgrösse, der Unterstand, Zubehör und die Herde bestimmt, insbesondere, dass das Pferd nicht allein gehalten werden darf und in der Herdenhaltung genügend Raum vorhanden ist, damit jedes einzelne Pferd sich zurückziehen oder ausweichen kann)
- Keine Schmerzen, Verletzungen und Krankheiten (der Halter muss diese vorbeugen und präventiv das Wohlbefinden des Tieres fördern. Zahnpflege, Hufepflege und Parasiten-Prophylaxe. Ställe und Koppeln müssen gepflegt und erhalten werden).
- Vermeidung von Angst und Stress (psychisches Leid muss vom Halter von den Tieren vermieden werden)
- Die Möglichkeit zur Auslebung der natürlichen Bedürfnisse des einzelnen Tieres (ausreichend Platz für freie Bewegung, ausreichende Boxengrösse, ausreichende Unterstellmöglichkeit im Aussen, – sowie Innenbereich.
Das Ergebnis dieser fünf Leitlinien ist ein Kapitel in der Tierschutz Verordnung, das die Mindestbedingungen für die Aufzucht von Pferden definiert, damit die Mindestbedingungen für den Tierschutz erfüllt sind. Diese definieren die Mindestboxengröße, die Ausläufe, die Ermöglichung sozialer Kontakte und die regelmäßige Tierpflege. Es wird auch der Umgang und die Arbeit mit Pferden definiert. Auch die Bedingungen werden vorgegeben , unter denen Pferde nicht gearbeitet werden dürfen (bei übermäßiger Hitze, bei hoher Feuchtigkeit, letztes Trächtigkeitdrittel und erstes Laktationsdrittel).
Der dritte Teil des Vorlesung wurde vom Tierarzt Dr.med vet Stane Knez geleitet., der sich seit Jahren mit Tierernährung (insbesondere Pferden) beschäftigt. In seinem Vortrag mit dem Titel: Ernährung von Stuten, Fohlen und Jungpferden stellt er uns eine Ernährungspyramide vor, die er in seiner 20-jährigen Karriere erarbeitet hat. Er betonte, dass es nicht nur wichtig sei, was wir den Pferden füttern, sondern auch wann: Pferde sollten nicht mehr als 1,5 g Kraftfutter pro kg Lebendgewicht des Pferdes pro Mahlzeit zu sich nehmen, was etwa 1 l Getreide pro Mahlzeit entspricht. (Gilt für ein mäßig arbeitendes Pferd). Ideal wäre es, mehrmals täglich in kleineren Mahlzeiten zu füttern. Natürlich hat er diese Theorie auch wissenschaftlich durch Tabellenkalkulationen und Recherchen erklärt. Er betonte auch, dass die Heuproduktion eines der wichtigsten Punkte ist. Er empfiehlt, spät zu mähen (nach Abblühen der Gräser – Samen werden abgeschüttet und die Spitze der Gräser verfärbt sich braun). Der Schnitt sollte im langsamen Gang erfolgen. Langsames Mähen verhindert das Vorhandensein von Erde und Staub im Heu. Der erste Schnitt ist die beste Auswahl von Heu für unsere Pferde.
In seiner Firma Nutribiovet, die die Firma Cavalor aus Belgien vertritt, stößt er oft auf verschiedene Probleme, am häufigsten: Die Stute hat nach dem Abfohlen keine Milch…
Bei erstgebärenden Stuten ist dies nichts ungewöhnliches, weil der Milcheinschuss mit Verzögerung kommen kann. Am ersten Tag kann dem Fohlen beim Saugen der Mutter (notwendig für die spätere Milchabgabe) Alpenmilch mit 1,5 % Milchfett mit Zusatz von Honig (1 Esslöffel pro Liter Milch) angeboten werden. Alle zwei Stunden werden 200-250 ml Milch angeboten. Bei normalen Verlauf sollte die erstgebärende Stute bereits am nächsten Tag genug Milch haben, um den Nahrungsbedarf des Fohlens zu decken. Für den Fall, dass die Stute immer noch keine Milch abgibt, ist unbedingt ein Tierarzt oder Sachverständiger hinzuzuziehen.
Eine andere häufig gestellte Frage ist, dass die Stute während der Laktation stark abnimmt. Stuten können während des 2. bis 3. Laktationsmonats etwas an Gewicht verlieren, da die Laktation in diesem Zeitraum am intensivsten ist. Wenn wir jedoch rechtzeitig handeln, kommt es zu keinen größerem Problem. Wenn die Stute jedoch nach dem 4. Laktationsmonat stark an Gewicht verliert, ist es sehr schwierig, schnelle Ergebnisse zu erwarten, selbst wenn wir die Futterration erhöhen. Nicht zu vernachlässigen ist die Supplementierung von MVD (Mineral Vitamin Supplements), mindestens 3 Mal pro Woche. Bei Stuten während der Trächtigkeit und der Zeit der Laktation ist tägliche Verabreichung empfehlenswert. Abschließend fügte er hinzu, dass er bei Problemen mit der Ernährung der Pferde und eventuellen Laktationsproblemen immer über eine Telefonnummer erreichbar sei.
Nach dem Vortrag unterhielten wir uns bei einem guten Mittagessen und in netter Gesellschaft natürlich noch über unsere Pferde…
Nina Peternel und Primož Tanko







